Ich halte mich an das, was ich predige, wenn es um soziale Medien geht – keine Tweets während dieser Kampagne

Ein gutes Jahrzehnt lang war Twitter mein wichtigstes soziales Medium für die politische Kommunikation. Dort konnte man aktuelle Nachrichten verfolgen und sie kommentieren; es war eine Möglichkeit, zu verstehen, was politisch und gesellschaftlich so vor sich ging. Ich baute dort Kampagnen auf und knüpfte berufliche Kontakte, bekam dank des Netzwerks Aufträge und nutzte es auch, um politische Botschaften zu platzieren.

Vor allem in den Jahren, in denen ich den Brexit zum thematischen Schwerpunkt hatte, war Twitter die erste Anlaufstelle. Auch in der Brüsseler EU-Blase war es das wichtigste Medium. Jeder Kommissar in von der Leyens Kommission benutzt es.

Doch dann kam Elon Musk.

Ich muss hier nicht alle absurden Entscheidungen wiederholen, die Musk seit seiner Übernahme getroffen hat, aber einige wichtige Entwicklungen stechen hervor. Ein Anstieg von Hassreden auf der Plattform. Musks Verleumdung des ehemaligen Sicherheitschefs von Twitter. Musks Verwendung von rechtsradikalen Codes (sogenanntes ‚dog-whistling‘). Die Verwandlung des Verifizierungsabzeichens in ein bezahltes System zum Geldverdienen.

Kurz und griffig: Unter Musk ist Twitter keine vertrauenswürdige und neutrale Plattform mehr.

Im Unkehrschluss bedeutet das, dass jeder anständige Demokrat es nicht nutzen sollte.

Klar, aber was ist mit meinen Followern da drüben?“ Das fragen sich viele. Meine Antwort: Lass sie. Lass es. Solange Musk die Kontrolle hat, ist keine positive Veränderung in Sicht. Gehe lieber mit gutem Beispiel voran und zeige Führungsstärke.

Denn ein Mitglied der Grünen, das sich über Twitter beschwert und es trotzdem benutzt, ist in etwa so wie jemand, der fordert, dass alle weniger Fleisch essen sollten, während er sich jeden Abend ein Steak gönnt.

Und es gibt eine Alternative – Mastodon. Dort gibt es sogar einen Server für Grüne – gruene.social

Heißt das – jetzt weitergedacht – dass ich auf alle kommerziellen Social-Media-Tools verzichten werde?

Für mich nicht – zumindest noch nicht. Ich bin immer noch unregelmäßig auf Facebook, Instagram und LinkedIn – zum einene, weil ich noch keine fertigen Alternativen dafür gefunden habe und zum anderen, weil sie etwas vernünftiger betrieben werden als Twitter. Das Problem bei all diesen Diensten ist aber, dass sie in Zukunft für das Musk-Problem anfällig sein könnten: Also, es besteht immer die Gefahr, dass verzerrte kommerzielle oder persönliche Interessen die Plattform in eine fragwürdige Richtung führen.

Neben Mastodon experimentiere ich auch mit Bluesky als Alternative zu Twitter. YouTube ersetze ich nach und nach durch Peertube. WhatsApp nutze ich schon seit Jahren nicht mehr und verwende stattdessen hauptsächlich Signal für Messenger-Dienste.

Die Kampagne für die Europaliste wird also eher getröotet als getwittert. Denn alles andere wäre ethisch inkohärent.

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