Der Transportsektor trägt zu 25% der klimaschädlichen Emissionen bei und ist der einzige Sektor in Europa, der heutzutage mehr Emissionen ausstößt als 1990. Eine kohärente grüne Klimapolitik muss daher Verkehrspolitik konsequent mitdenken und die Ursachen systematisch angehen. Es müssen Anreize gesetzt werden, damit Transportmodi entsprechend ihrer Klimafreundlichkeit genutzt werden. Aktuell ist es zu einfach, die Kosten des Klimaschadens auf die Allgemeinheit abzuwälzen. Diese Externalitäten müssen abgebaut werden. Zurzeit ist das in Europa genau das Gegenteil – Bahnbetreiber müssen Steuer auf Diesel bezahlen und – in Deutschland – gibt es auch Umsatzsteuer auf Bahntickets. Kerosin sowie Flugtickets sind zurzeit steuerfrei.

Für mich gehören mehrere Bausteine zu einer europäischen grünen Verkehrspolitik: Langfristig muss der Wettbewerb auf der tatsächlichen Klimabilanz beruhen, es müssen Anreize gesetzt werden, den Verkehrsträger Schiene stärker zu nutzen, Menschen in Städten müssen auch ohne ein eigenes Auto gut mobil sein können und Fahrgäste müssen darauf vertrauen können, dass ihre Rechte geschützt werden, wenn mal etwas nicht nach Plan läuft.

In einem Europa ohne Grenzen und in unserem gemeinsamen Binnenmarkt müssen manche Waren auch weite Wege durch Europa transportiert werden. Auch hier muss europäische Verkehrspolitik ansetzen.

Eines der Probleme im europäischen Schienennetz ist die mangelhafte Verknüpfung der immer noch auf nationalen Verkehr ausgerichteten Netze. Viele grenzüberschreitenden Streckenabschnitte sind bis heute nicht elektrifiziert. Dies erhöht die Kosten, weil langsame, teurere und schmutzige Diesellokomotiven eingesetzt werden müssen. Die EU-Kommission stellt zwar Gelder für den Ausbau bereit, verfolgt aber keine Strategie und überlässt es den Mitgliedstaaten, ob diese die Gelder einsetzen oder nicht.

Auch fehlen in den meisten Mitgliedstaaten multimodale Terminals, mit denen ein reibungsloses Umladen von der Schiene auf die Straße und umgekehrt erfolgen kann (um sogenannte „rollende Landstraßen“ zu ermöglichen). Um mehr Fracht auf die Schiene zu bekommen, sind solche Terminals unabdingbar. Um die Effizienz zu maximieren, müssen die Mitgliedstaaten interoperable Systeme einsetzen.

Im Bereich des Passagierverkehrs gibt es weiterhin große Hürden, um ein wirklich attraktives europäisches Zugangebot zu ermöglichen. Nur der Experte und das Sprachtalent schaffen es, sich über verschiedene Webseiten hinweg die besten Angebote zu sichern. Sogenannte Durchgangsfahrkarten sind jedoch weiterhin eine Rarität im grenzüberschreitenden Verkehr, sodass Fahrgäste häufig stranden, ein neues Ticket kaufen müssen und zurecht vom Schienenverkehr gefrustet sind. Verpflichtende offene Schnittstellen aller europäischen Bahnunternehmen zu ihren Fahrplan- und Fahrkarteninformationen, um neue Geschäftsmodelle auch von Drittanbietern zu ermöglichen, ist mehr als überfällig.

Es sieht momentan jedoch nicht so aus, als würde das jetzige Europäische Parlament bei den Fahrgastrechten weitreichende Verbesserungen erwirken. Es wird also Zeit, dass alle Fahrkarten Fahrgästen gleiche Rechte verschaffen und dass Fahrgäste Fahrräder leichter mitnehmen können.

Auch die immer mal wieder von Mitgliedstaaten ins Spiel gebrachte Idee, alle Fahrscheine für Hochgeschwindigkeitszüge nur noch namentlich auszustellen (sogenanntes „Passenger Name Records„System – PNR), diese Daten in einer Datenbank zu sammeln und Bahnhöfe ähnlich wie einen Flughafen abzuschotten muss unter allen Umständen vereitelt werden. Hochgeschwindigkeitszüge von anderem Zugverkehr abzuschotten ist unrealistisch und nicht wünschenswert. Die Möglichkeit, wenige Minuten vor Abfahrt eines Zuges einen Fahrschein zu kaufen und loszufahren ist Ausdruck europäischer Freiheit und darf nicht angetastet werden.


Eine Kritik an Bahnfahren ist oft, dass die Fahrten – in Vergleich zum Fliegen – zu lange dauern. Eine Lösung dafür sind Nachtzüge. Statt Investitionen in immer schneller Züge und Neubaustrecken spart man durch Nachtfahrten Zeit für den Tag. Aber Nachtzüge in Europa sterben aus – besonders SNCF und DB setzen alles auf TGVs und ICEs. Ich unterstütze die Ziele der „Back On Track“ Kampagne für reduzierte Trassenpreise für internationale Fern- und Nachtzüge und ein System für Subventionen für internationale Züge (wie es auch national möglich ist).

Bildrechte:
railway track von Simon Clancy, June 23, 2014
Lorryrail en Nissan von Aleix Cortés, September 11, 2013
DB 2nd Class Couchette von Hugh Llewelyn, May 8, 2011